Kanal Telemedial – mit eine der wohl spannendsten Entwicklungen im deutschen Fernsehen.
Ich verfolge das Format jetzt schon ein ganzes Weilchen,
und was man mit relativer Sicherheit wohl von dem Programm, dem Gesamtkonstrukt und dem Menschen dahinter sagen kann, ist: erstaunlich.
Erstaunlich, dass der Mann noch frei herumläuft.
Erstaunlich, dass sich der BND nicht schon längst
bemerkbar durch Ermittlungen wegen Staatsfeindlichkeit gemacht hat.
Erstaunlich, dass zahlende Kunden öffentlich beleidigt,
zensiert und ignoriert werden.
Erstaunlich auch die Gebühren, die dem Zuschauer da aufgedrückt werden.
So werden für eine Freischaltung zu Gesprächen ins Studio (die der Betreiber munter zur Gestaltung und Ausrichtung seines Programms nutzt) jeweils 10 Euro fällig (9 Euro aus Österreich).
Nach seinem Geschäftsmodell aber erst dann, wenn man mindestens 15 Euro monatlich für die Bereitstellung des Kanals an sich bezahlt hat.
Bedeutet, legitim wird ein Anruf für ihn erst dann, wenn sage und schreibe 25 Euro auf seinem Konto gelandet sind.
Sind sie es nicht, scheut er sich nicht, in regelmäßiger Frequenz die Anrufer als „Schnorrer” zu beschimpfen,
und sie aufzufordern, gefälligst erst zu bezahlen, bevor er von ihnen „gelangweilt” oder „gemaßregelt” würde.
Der Betreiber deklariert seinen Teleshop (als der der Kanal angemeldet wurde) als mediale Lebensschule,
die Liebe und Harmonie unter den Zuschauern verbreiten soll – die sogenannte „Telemediale Idee”.
Unglücklicherweise verankert er unentwegt Begriffe wie „Geld”, „Überweisen”, „Konto”, „zahlen” oder ähnliches in seiner Ideologie der globalen Harmonie.
Dabei vermeidet er es aber paradoxerweise nicht, über
„Verbrecher” und „Abzocker” wie Phillip Morris oder die Deutsche Bank herzuziehen.
Unklar bleibt, welches „immaterielle Handelsgut”, von dem permanent die Rede ist, denn überhaupt über seinen Teleshop vertrieben wird.
Wenn es ein solches Produkt gibt, materiell oder nicht, bleibt die Frage offen,
warum der Betreiber glaubt, er könne sich von allen
unbequemen Pflichten des Handelsrechts distanzieren
(sowas wie Umtauschs- oder Rücktrittsrecht oder gar Reklamationsrecht des Kunden), und sich lediglich den
Sonnenseiten des Geschäfts, dem Profit, widmen zu können.
Insgesamt muss weiter festgestellt werden, dass sich dieses Verhalten immer abstruser wird (sektenähnliche Zustände). Hier muss schleunigst eingegriffen werden.
Ich warte nur noch auf den Tag, wo der Mann in Handschellen aus dem Studio geführt wird.
Das ist wirklich ein Grund, das Format weiter zu verfolgen.